Kennenlern-Tour für Flüchtlinge in Unterföhring

Trotz Schneetreibens und Kälte waren am letzten Sonntagnachmittag rund 60 Asylbewerber der Einladung der Initiative „Gemeinsam für Flüchtlinge – Helferkreis Unterföhring“ zur ersten Sightseeing-Tour gefolgt. Das war fast ein Drittel aller Neuankömmlinge, die bislang in der Notunterkunft Traglufthalle an der Mittelfeldallee 17 untergebracht sind. Alfons Renner, ein erfahrener Stadtführer, führte die Gruppe der jungen Männer gemeinsam mit drei weiteren Mitgliedern aus dem Team „Kultur & Freizeit“ des Helferkreises durch Unterföhring.

Von der Notunterkunft aus ging es zum S-Bahnhof, wo die Helfer von Fragen bestürmt wurden: Welches Ticket für welche Strecke? Wo gilt die Monatskarte? Das, was schon für Einheimische oft nicht einfach ist, kann für Menschen aus Syrien, Eritrea oder Pakistan ein Buch mit sieben Siegeln sein. Vom Feuerwehrhaus über Rat- und Bürgerhaus und Kirchen bis zu den Sportplätzen – alles interessierte die jungen  Asylbewerber und bot Gelegenheit, gleichzeitig einige Standards und Regeln anzusprechen.

Die Sprachbarriere ist auch zum Erstaunen der Helfer viel geringer als gedacht: Ein Großteil der Neuankömmlinge spricht Englisch, und die meisten sind sehr bemüht, schnell Deutsch zu lernen. Viele bekümmert die Tatsache, noch nicht arbeiten zu dürfen. Der Wunsch, sich freiwillig einbringen zu können und die Frage nach Betätigungsmöglichkeiten wurden deshalb häufig geäußert. Auch hier bemüht sich der Helferkreis, Ideen und Aktionen zu entwickeln.

Sport und Musik sind die am häufigsten genannten Lieblingsbeschäftigungen für die Freizeit. Das Helferteam Kultur & Freizeit, versucht gerade zum Beispiel, einen Chor zu etablieren und sammelt Musikinstrumente. Die Frage nach Räumlichkeiten dafür ist am dringlichsten. Schon anderthalb Stunden Rundgang durch Unterföhring waren ein guter erster Schritt, um sich kennenzulernen.

Es wurde viel gelacht, gefragt und gestaunt. Zum Beispiel über das Rätsel Glockengeläut: Ob denn in Unterföhring so viele Menschen sterben würden, fragte ein junger zierlicher Mann aus Eritrea. Warum? Weil die Glocken so oft läuten – alle Viertelstunde! Er war sehr beruhigt, zu erfahren, dass es sich dabei nur um den Uhrschlag handelt.

 

zurück