Das Lindenhaus ist - fast - voll

"Lindenhaus", so haben einige Helferinnen das Heim der Asylbewerber am Lindenweg 9 benannt, ein passender Name für die neuen Bewohner am Lindenweg. Fünfzehn der sechzehn Wohnungen sind belegt. Sechs Familien sind bis aus Afghanistan gekommen, vier aus Albanien, zwei aus Syrien und je eine aus Tschetschenien, dem Irak und Nigeria.

Und es geht lebhaft zu: 33 Kinder tummeln sich auf dem Vorplatz, denn der Rasen hinter dem Haus muss erst noch wachsen. Die jüngsten, Zwillingsmädchen, sind noch Babys, sie wurden erst Ende Juni geboren, das älteste Mädchen ist 17 und zwei weitere sind erkenntlich unterwegs. Ach der Stand ist durchgemischt: vom Hilfsarbeiter zum Akademiker ist alles vertreten. Das gilt auch für die Sprache: während einige mit Englisch oder lückenhaftem Deutsch sich schon verständlich machen können, gibt es andere, für die selbst das lateinische Alphabet noch fremd ist.

Hier setzt die Aufgabe der Helfer an. Nach Begleitung zur Anmeldung, zu ersten Einkäufen, um Bahntickets zu besorgen und mit dem Ort etwas vertraut zu werden beginnt der Deutschkurs. Ausgebildete Lehrerinnen und engagierte Amateure führen die Bewohner in sechs Kursen für Männer, Frauen und Kinder in die Kunst der deutschen Sprache ein. Eine zweite große Aufgabe ist das Besorgen von - ja, eigentlich von allem. Die Menschen kommen ja hier an nur mit dem, was sie auf dem Leib tragen.

Der Spendenaufruf Kleider, Kinderwägen, Kinderbetten und vor allem Fahrräder - zu Lidl und Rossmann ist es doch ganz schön weit zu Fuß - hatte großen Erfolg und die Helfergruppe hat eine Sisyphusarbeit geleistet, vor allem der Fahrradbesorger und -reparateur. Das Ende ist noch nicht abzusehen. Ein besonderer Coup ist der Freizeitgruppe gelungen. Sie haben, wer Fahrrad hatte, zum Erdbeerfeld geführt. Dort konnten sie am letzten Erntetag kostenlos schwelgen. Und einige Muslime wagten sich sogar zum St. Annafest, wo sie auch vom Weihbischof begrüßt wurden. Wenn Sie auch helfen wollen, kommen Sie doch mal zu den Menschen im Lindenhaus. Bei schönem Wetter treffen Sie immer Frauen, Männer und vor allem Kinder an, die gerne einmal mit Sauerlachern reden, und wenn es mit Händen und Füßen ist. Das ist vielleicht die wichtigste Helfer-Arbeit, den Menschen Vertrauen entgegenzubringen. Sie werden von Schicksalen erfahren, die nur schwer zu Papier zu bringen sind.

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