Ausbildung und Arbeit für Flüchtlinge

Wir alle wünschen uns, dass Flüchtlinge so schnell wie möglich eine Arbeit aufnehmen können, selbstständig sind und sich auch über das Arbeitsleben in die Gesellschaft integrieren. Wir haben einerseits ein hochtechnisiertes und formal geregeltes Wirtschaftsleben und andererseits ein Bildungssystem, das allen Schülern Grundkenntnisse in Naturwissenschaften und Sprachen vermittelt. Das ist für Flüchtlinge, auch wenn sie ausreichend Deutsch lernen, nicht so leicht in Kursen oder an einjährigen Berufsvorbereitungsschulen nachzuholen. Es ist aber so viel ernsthafter Wille und Fleiß vorhanden, wie ich ihn in meiner Praxis als Berufsschullehrerin nur selten erlebt habe.

Einer unserer Asylbewerber durfte ein Praktikum in einem hiesigen Autohaus machen. Er half beim saisonalen Wechsel von Autoreifen, zum Beispiel in dem er Reifen wusch und ins Lager brachte. Der Meister war sehr zufrieden. Jetzt ist er in einem Deutsch- und Berufsintegrationsprogramm der Arbeitsagentur, und wenn es planmäßig läuft, kann er im Herbst eine Ausbildung  zum Vulkaniseur beginnen: ein gesuchter Beruf, und eine sehr anspruchsvolle Ausbildung.

Einen Einstieg über Praktika zu finden, ist das beste Mittel für einen Flüchtling, seine Fähigkeiten zu beweisen und den Arbeitgeber zu überzeugen. Außer einer Genehmigung der Arbeitsagentur brauchen Asylbewerber hier aber auch eine Institution, z. B. eine Schule, die die Versicherung übernimmt. Der Helferkreis unterstützt wo er kann, auch die IHK und HWK machen sich stark für die Anliegen. Trotzdem brechen viele, die den Weg bis zur Berufsschule schaffen, bereits nach einem Jahr die Ausbildung wieder ab und bleiben bei Tätigkeiten im Niedriglohnsektor hängen. Woran liegt das?

Ein ganz großes Problem ist die Wohnsituation. Ein Bäckerlehrling, der in einer Traglufthalle wohnen muss, konnte nicht genügend Schlaf finden, geschweige denn sich auf seine Schulaufgaben konzentrieren. Er hat den Ausbildungsplatz aufgegeben. Vier junge Männer in einem Raum, so sieht es auch das „Feel-Home“ Konzept vor, kosten den Staat sehr viel Geld, 500 EUR pro Flüchtling im Monat.

Eine private Unterkunft ist da  billiger. Der Auszubildende darf die Gemeinschaftsunterkunft aber erst verlassen, wenn er sich ohne irgendeine staatliche Leistung selbst versorgen kann. Auch wenn er das schafft, muss ein Flüchtling, der noch Asylbewerber ist, einen Arbeitsvertrag vorweisen können, ein Ausbildungsvertrag gilt nicht. Hier wären gesetzliche Erleichterungen nicht nur für die Flüchtlinge sinnvoll, sondern auch für Wirtschaft und Gesellschaft.  

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