12.02.2018

Jahresbericht 2017 des Helferkreises Asyl Ottobrunn/Hohenbrunn

Im fünften Jahr seines Bestehens begleitete der Helferkreis ca. 280 Flüchtlinge, darunter 120 Kinder und Jugendliche. Syrien, Afghanistan, Irak, Somalia, Eritrea, Nigeria und Senegal sind die Heimatländer unserer Flüchtlinge. 2017 hat sich der Schwerpunkt unserer Hilfe von der Ankunft und Versorgung hin zur Integration verändert, für Asylbewerber und anerkannte Flüchtlinge.

Integration durch Sprache und Arbeit

  • Der Helferkreis ergänzt das umfangreiche Angebot der VHS Südost an Deutschkursen für Asylbewerber und anerkannte Flüchtlinge mit wöchentlichen Deutsch-Training, Lernpatenschaften in besonderen Situationen und Unterstützung bei Kurs- und Prüfungskosten.
  • Die Suche nach Jobs wurde intensiviert, Praktika bei Firmen, Organisationen und sozialen Einrichtungen unserer Gemeinden tragen dazu bei. Weitere Flüchtlinge haben Arbeitsplätze gefunden, für andere begannen im Herbst Ausbildungen, z. B. als Kfz-Spengler, Elektro-und Energietechniker, Kiefernorthopädengehilfin. Einige Mütter arbeiten inzwischen Teilzeit. Eine junge Frau konnte die Ausbildung als Erzieherin abschließen. Berufsschüler erhalten individuell Nachhilfe.
  • Schülerpaten lernten mit Kindern und Jugendlichen, die inzwischen auch Realschule, Gymnasium oder Fachoberschulen besuchen. Kinder aus Familiennachzügen wurden in den Sommerferien unterrichtet, um den Schulstart im Herbst zu verbessern.
  • Für Schüler und Auszubildende werden gespendete Notebooks und PCs bereitgestellt.

Integration durch Teilhabe am sozialen Leben

  • Mit den Flüchtlingen gemeinsam gestaltete Feste, wie das Fest der Kulturen, das Muslimische Opferfest, das Ottostraßenfest und die Adventsfeier tragen zur Integration bei.
  • In Schwimmkursen des TSV Riemerling lernen Flüchtlingskinder sicher schwimmen. Im November startete ein Schwimmkurs für Frauen im Schulschimmbecken, mit einer Schwimmtrainerin des Phönix Sport Teams. Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder nehmen in verschiedenen Sparten der Sportvereine am Programm teil. Die eigene Fußballmannschaft des Helferkreises "Ramasuri" beteiligte sich an verschiedenen Turnieren. Das Eislaufen für die Kinder am 27. Dezember beendete das Sportangebot.
  • Das Team des Café International lädt einmal im Monat im Haus der Evangelischen Jugend zur Begegnung von Flüchtlingen und Einheimischen ein. Das Café wird vor gerne von Familien besucht. Flüchtlinge helfen mit im Betrieb des Cafés.
  • Im Projekt "Über'n Tellerrand" kamen Flüchtlinge, Migranten und Einheimische in acht Tafelrunden beim Kochen und Essen miteinander ins Gespräch.
  • In Kooperation mit der VHS informierten wir in Länderabenden über die Herkunftsländer unserer Flüchtlinge. Afghanistan, Syrien und Afrika (Nigeria, Somalia) waren die Schwerpunkt-Länder. Informative Vorträge, Musik, Kulinarisches und Begegnung unter Beteiligung von Flüchtlingen kennzeichneten die Abende im vollen Ratssaal.
  • Mütter aus Syrien, Afghanistan und Russland engagierten sich ehrenamtlich in der AWO Klawotte Kinder & Kreativ und im Seniorenzentrum Kaiserstiftung Riemerling.

Vermehrte Asylentscheidungen

Eine Reihe von Entscheidungen in lange anstehenden Asylverfahren ist vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge getroffen wurden. In einigen Fällen wurde der rechtlich zulässige Klageweg beschritten, aber in anderen Fällen wurden bisher nicht berücksichtigte Schutzgründe anerkannt. Ganze Familien konnten und können daraufhin eine Aufenthaltserlaubnis erhalten. Erstmalig ist es, auch dank Einsatz von Helferkreisseite, gelungen, für Flüchtlinge den Weg des Wechsels zum Aufenthalt mit Arbeitsvisum einzuschlagen. Dabei wurde entweder die Wiedereinreisefrist von der Ausländerbehörde herabgesetzt, um die Rückkehr aus dem Herkunftsland mit Visum der Deutschen Botschaft zu erleichtern oder eine befristete Ausbildungserlaubnis zum gleichen Zweck erteilt.

Zu- und Weg-Züge

  • Ottobrunn: Die Container-Anlage in der Hochackerstraße wurde Ende November, eine kleinere Unterkunft für Frauen vor Weihnachten aufgelöst. Allen Bewohnern wurden Unterkünfte in anderen Landkreis-Gemeinden angeboten. Die Paten begleiten manche der verlegten Flüchtlinge eine Zeitlang weiter, bis sie am neuen Wohnort Fuß fassen können.
  • Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge müssen seit Sommer ihre Jugendhilfe-Einrichtungen verlassen, sobald sie 18 werden. Dieses betrifft auch die Einrichtungen in Hohenbrunn, Riemerling und Ottobrunn. Den jungen Menschen werden Betten in anderen Unterkünften des Landkreises angeboten.
  • Drei Familiennachzüge und zwei anerkannte Flüchtlingsfamilien sind neu in unsere Gemeinden gekommen.
  • Für zwei Familien mit 7 Kindern und drei Einzelpersonen konnten wir Wohnraum finden. Eine Familie bekam Umzugsunterstützung nach Niederbayern.
  • Die Flüchtlinge können sich lokal mit Kleidung, Spielsachen, Geschirr, Fahrrädern und Möbeln versorgen - dank der AWO Klawotten, der AWO Rumpelkammer und der Mobilen Caritas Werkstatt, die ihre Dienstleistungen allen Bedürftigen anbieten.

Kontinuität im Helferkreis

  • Über 130 Ehrenamtliche sind Mitglieder im Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn; darunter 10 Flüchtlinge. Eine große Unterstützung für den Helferkreis ist die Integrationsbeauftragte der Gemeinde Ottobrunn, Stefanie Marrero. In der Gemeinde Hohenbrunn gab es einen personellen Wechsel in der Funktion des Integrationsbeauftragten.
  • Der Helferkreis trifft sich 3 x im Monat im Pfarrsaal St. Magdalena. Im internen Weiterbildungsprogramm wurden an 8 Treffen zu angefragten Themen informiert und diskutiert. Seit Sommer besteht die Möglichkeit zur ortsnahen Einzel-Supervision für die Helferkreis-Mitglieder.
  • Wir informieren die Öffentlichkeit über unsere Homepage, www.helferkreis-asyl.com, und die Gemeindeblätter Hohenbrunn und Ottobrunn. Mit Ständen war der Helferkreis beim Fest der Kulturen, beim Ottostraßenfest und bei der Bürgerversammlung in Ottobrunn vertreten.

Für anerkannte Familien, Alleinerziehende mit Kindern und Auszubildende, die sich in unseren Gemeinden gut integriert haben, sucht der Helferkreis weiter nach Wohnraum. Bitte melden Sie sich bei Diakon Stocker, Tel. 089 / 42 00 179 - 01, E-Mail KStocker@ebmuc.de, wenn Sie dazu Auskünfte wünschen oder helfen können.

Herzlichen Dank allen, die durch freundliche Begegnung im Alltag zur Integration der Flüchtlinge beitragen und unsere Arbeit durch Anteilnahme und vielfältige Unterstützung begleitet haben.

Heidi Maurer und Dr. Claudia Bernardoni
Sprecherinnen im Helferkreis Asyl Ottobrunn / Hohenbrunn